Jeder Tag ist Tag der Pflege!

Pflegekräfte sind nach Ansicht des Klinikverbunds Hessen e. V. ein entscheidender Faktor für eine gute Gesundheits- und Krankenhausversorgung

 |  Wetzlar

Für Reinhard Schaffert, Geschäftsführer des Klinikverbunds Hessen, ist nicht nur der 12. Mai, sondern jeder Tag ein "Tag der Pflege". "Qualifizierte und engagierte Pflegekräfte sind für die Gesundheits- und insbesondere die Krankenhausversorgung unabdingbar; sie versorgen die Patientinnen und Patienten an 24 Stunden, jeden Tag", meint Schaffert. So wichtig eine gute ärztliche und medizinische Versorgung im Krankenhaus sei, so bedeutend sei für die Genesung auch die pflegerische Versorgung und Krankenbeobachtung rund um die Uhr. Zudem bleibe bei den Patientinnen und Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt oft vor allem die Qualität der Pflege im Gedächtnis. Deshalb seien die Pflegekräfte und deren Arbeitsbedingungen ein zentraler Faktor für die Zukunft der Gesundheitsversorgung.

Zwar habe das Statistische Bundesamt in den letzten 10 Jahren eine Steigerung der Anzahl der Beschäftigten in der Krankenhauspflege um 18% festgestellt, allerdings arbeiteten fast die Hälfte der Pflegekräfte in Teilzeit. "Der Anstieg der Zahl der Menschen, die in der Pflege arbeiten ist erfreulich", meint Schaffert, "wir müssen jedoch auch bedenken, dass 10% der Pflegekräfte im Krankenhaus über 60 Jahre alt sind und in den nächsten Jahren in Rente gehen".

Die Zahl der jungen Menschen, die ihre Berufstätigkeit beginnen, nehme dagegen – nicht nur bei den Pflegeberufen – in Zukunft weiter ab, so dass die durch Renteneintritt entstehende Lücke nicht mehr geschlossen werden könne. Nach Ansicht von Schaffert könne dem nur durch Veränderungen in den Strukturen begegnet werden, und zwar sowohl beim Pflegeberuf und den damit verbundenen Tätigkeiten als auch in der Gesundheitsversorgung insgesamt. "Die demografische Entwicklung – das heißt die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommende Abnahme der Menschen im Erwerbsalter – wird eine wesentliche treibende Kraft für Veränderungen der Versorgungsstrukturen sein", ist Schaffert überzeugt.

Um auch im Wettbewerb mit anderen Branchen um Berufseinsteiger bestehen zu können, müsse die Tätigkeit in der Pflege attraktiver werden. "Das gilt sowohl hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, Arbeitsbelastung und Bezahlung, als auch in Bezug auf eigenständige Ausübung der in Ausbildung und Studium vermittelten qualifizierten Tätigkeiten sowie der Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten" meint Schaffert.

Mit der Einführung des Pflegebudgets im Jahr 2020 habe der Gesetzgeber beabsichtigt, die Pflege am Bett im Krankenhaus vollständig zu refinanzieren und damit den Sparzwängen im Krankenhaus zu entziehen. Die Realität sehe jedoch anders aus: "Die Verhandlungen mit den Krankenkassen über das Pflegebudget werden verzögert und durch immer neue Infragestellungen so in die Länge gezogen, dass viele Krankenhäuser noch immer kein Pflegebudget für das Jahr 2020 vereinbaren konnten und daher die Pflegepersonalkosten in zweistelliger Millionenhöhe vorfinanzieren müssen", erläutert Schaffert.

Der Gesetzgeber habe in der Begründung zum Pflegepersonalstärkungsgesetz als klares Ziel formuliert, die Arbeitsbedingungen in der Pflege durch die vollständige Finanzierung der Kosten auch für mehr Personal, entlastende Maßnahmen und bessere Vergütung zu verbessern. Die Krankenkassen versuchten jedoch nach wie vor, die Kosten für das Pflegebudget zu drücken und konterkarierten damit die gesetzgeberische Zielsetzung.

"Völlig entsetzt bin ich, wenn ich höre, dass mancherorts die Krankenkassen sogar den nach Ablauf des Budgetjahres vorgesehenen Ausgleich mit den vom Wirtschaftsprüfer testierten tatsächlichen Kosten verweigern und die Testate in Zweifel ziehen", betont Schaffert. Daher fordere der Klinikverbund Hessen vom Gesetzgeber eine Nachbesserung mit einer deutlichen Erhöhung des vorläufigen Pflegeentgeltwertes, Maßnahmen zur Beschleunigung und Entbürokratisierung der Budgetverhandlungen sowie der Klarstellung, dass nach Ablauf des Budgetjahres die vom Wirtschaftsprüfer testierten Kosten ohne Wenn und Aber auszugleichen sind.

"Die Menschen in der Pflege sind jeden Tag für uns da! Dies müssen wir auch für die Zukunft sicherstellen und dafür brauchen wir zukunftsfähige Strukturen des Berufs und der Versorgung sowie eine Finanzierung, die der Pflege gerecht wird", so Schaffert, "Denn: Jeder Tag ist Tag der Pflege!"

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